Fairnessrichtlinien im Rahmen entomologischer Feldarbeiten

Entomologische Arbeitsgemeinschaft der Tiroler Landesmuseen

Freie und ungehinderte Forschungs- und Sammeltätigkeit ist in Zeiten immer restriktiverer Naturschutzverordnungen längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso wichtiger ist es hervorzuheben, dass wir in Tirol ein außergewöhnlich vernünftiges Naturschutzgesetz, mit besonderer Berücksichtigung der wissenschaftlichen und pädagogischen Sammeltätigkeit besitzen.

So ist in § 5 Abs. (3) der Tiroler Naturschutzverordnung 2006, bereits eine Ausnahme zum Fangen von geschützten Arten, im Rahmen von Forschungs- und Lehrtätigkeit enthalten. Ausgenommen von dieser Regelung sind EU geschützte Arten nach § 4 (Tiroler Naturschutzverordnung). Dies ermöglicht uns einen unbürokratischen Zugang zu unserer Arbeit. Dass diese vorrausschauende Gestaltung des Gesetzes keine Selbstverständlichkeit darstellt zeigt ein Blick in Naturschutzverordnungen anderer Bundesländer sowie angrenzender Staaten mehr als deutlich.

Das Sammeln und Töten von Insekten und anderer Wirbelloser zu ökologischer, taxonomischer und naturschutzrelevanten Fragestellungen bildet die Grundlage für wissenschaftliche Untersuchungen und ist daher unverzichtbarer Bestandteil derartiger Arbeiten. Auch für den Einstieg und damit für den Erhalt von fachlichem Nachwuchs in das umfangreiche Fachgebiet der Insektenkunde, ist das Anlegen einer Beleg- bzw. Vergleichssammlung unerlässlich. Um der gegebenen Ausnahmeregelung in der Tiroler Naturschutzverordnung gerecht zu werden und einem Missbrauch vorzubeugen, bitten wir um die Einhaltung nachstehender Verhaltensrichtlinien beim Sammeln von Tieren in der Natur:

Das Sammeln von Insekten zu kommerziellen Zwecken wird aus ethischer Sicht strikt abgelehnt.

Vom Fangen und Töten gefährdeter oder vom Aussterben bedrohter Arten sollte abstand genommen werden. Sind solche Arten lebend bestimmbar, ist es angebracht diese nur unter größtmöglicher Zurückhaltung und nur bei wissenschaftlich gut begründeten Ausnahmefällen zu töten. Dies gilt auch beim Fangen innerhalb stark isolierter Populationen einzelner Arten.

Es ist grundsätzlich anzustreben lebend bestimmbare Arten vor Ort zu registrieren und wieder frei zulassen.

Unspezifische Sammeltechniken (verschiedenste Fallenarten) im Dauerbetrieb sollen nur dort eingesetzt werden wo dies aus wissenschaftlicher Sicht gut begründet erscheint. Die anfallenden Beifänge sollten Spezialisten zur Bearbeitung angeboten bzw. an Museen zur Verwahrung übergeben werden.

Wertvolle Biotopstrukturen sollen nur unter Achtung der ökologischen Verträglichkeit gestört werden. Zumindest sollte aber der Zustand des untersuchten Biochors nicht nachhaltig geschädigt werden.

Beim Sammeln auf Privatgrundstücken sollte ein Einvernehmen mit dem Grundeigentümer hergestellt und respektiert werden.

Im Sinne von Fairness und Vernunft beim Sammeln und unter Achtung der Natur, wünschen wir euch viel Erfolg bei euren Arbeiten und Projekten!

 

Exkursion Umlberg

Liebe Freunde & Kolleginnen,

im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Naturpark Karwendel und den Naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften der Tiroler Landesmuseen findet heuer erstmals eine arbeitsgruppenübergreifende Untersuchung einiger ausgewählter Lebensräume im Schutzgebiet Karwendel statt. Ziel ist es gemeinsam zu forschen, zu lernen und eine schöne Zeit in der Natur vor unserer Haustüre zu verbringen. Neben einer großen Gemeinschaftsexkursion am 21. Mai möchten wir die Teilnehmer dazu ermutigen, selbständig über das Jahr verteilt immer wieder das Gebiet zu besuchen und vor allem zu untersuchen. Die in der Saison gewonnenen faunistischen & floristischen Daten werden im Anschluss in einer Gemeinschaftspublikation aufbereitet und im Wissenschaftlichen Jahrbuch der Tiroler Landesmuseen präsentiert.

Auf eine schöne gemeinsame Zeit im Gelände freuen sich die Arbeitsgemeinschaften und der Alpenpark Karwendel!

Termin:

21.05.2016  (Ersatztermin bei schlechtem Wetter 28.05.2016)

Treffpunkt:

9.00 Uhr Umlberg / Forststraßenkreuzung Richtung Ganalm (Roter Punkt Karte!)

15.00 Uhr Auftanken und Nachbesprechung im Gasthaus Michaelerhof (Gnadenwald, St. Michael 25)

19.30 Uhr Leuchtabend für Nachtschwärmer, Forststraßenkreuzung Richtung Ganalm

Witterungsbedingte Änderungen werden auf der Homepage zeitnahe weitergegeben.

Die Teilnahme an den Exkursionen erfolgt auf eigene Verantwortung!

Rückfragen: Sekretariat Barbara Breit-Schwaninger Tel. 0512/59489-410, e-mail: b.breit@tiroler-landesmuseen.at bzw. Benjamin Wiesmair oder Andreas Eckelt, Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft m.b.H., Naturwissenschaftliche Sammlungen, Feldstraße 11a, 6020 Innsbruck; e-mail: b.wiesmair@tiroler-landesmuseen.at bzw. a.eckelt@tiroler-landesmuseen.at

Bestimmungsabend und Kurzvortrag

Mittwoch, 06.04.2016          

Insekten sammeln aber wie? Feldmethoden und ihre Anwendungsbereiche             

Als Vorbereitung auf die beginnende Sammelsaison möchten wir im Rahmen des Vortrags verschiedenste Sammelmethoden für die unterschiedlichsten Insektengruppen und ihre Einsatzbereiche vorstellen. Der Vortrag richtet sich dabei vor allem an Studenten, Laien sowie Hobbyentomologen.

Nach dem Vortrag werden wir noch etwas bestimmen und an den Sammlungen arbeiten. Den Abend lassen wir wie immer bei einer gemütlichen Runde im Gasthaus „ Bierstindl“ ausklingen.

Treffpunkt: ab 17:00 - 22:00 Uhr

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Innsbruck, Feldstraße 11a, 3. Stock

Beginn des Vortrags: 18:00 Uhr

 

 

 

Bestimmungsabend und Kurzvortrag

Mittwoch, 02.03.2016          

Die Heuschrecken Tirols - eine Übersicht über Artenbestand, Besonderheiten, Verbreitungsmuster und Gefährdung

(Dr. Armin Landmann)

Dr. Armin Landmann wird uns in seinem Vortrag die aktuelle Situation rund um die Heuschreckenfauna Tirols präsentieren. Nach dem Vortrag werden wir noch etwas bestimmen und an den Sammlungen arbeiten. Den Abend lassen wir bei einer gemütlichen Runde im Gasthaus „ Bierstindl“ ausklingen.

Treffpunkt: ab 17:00 - 22:00 Uhr

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Innsbruck, Feldstraße 11a, 3. Stock; Beginn des Vortrags: 18:30 Uhr

 

Bestimmungsabend und Kurzvortrag

Mittwoch 03.02.2016

Vortrag im Rahmen der Entomologischen Arbeitsgemeinschaft

Interessantes aus 5 Jahren Felsenspringer-Forschung: Taxonomie, Ökologie, Evolution.

(Dr. Thomas Dejaco)

Es erwartet uns ein spannender Vortrag über eine basale Insektengruppe welche aufgrund ihrer fantastischen Anpassung an Extremlebensräume und ihrer spannenden Biologie, verstärkt in den Fokus der Forschung gerückt ist. Thomas Dejaco wird uns die interessante Welt der Felsenspringer (Archaeognatha) und den aktuellen Stand der Forschung dabei näher bringen.

Treffpunkt: ab 17:00 - 22:00 Uhr

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Innsbruck, Feldstraße 11a, 3. Stock

Beginn des Vortrags: 17:30 Uhr

 

Bericht der Weihnachtsfeier der entomologischen Arbeitsgemeinschaft

Die von über 30 Entomologen besuchte Weihnachtsfeier der Arbeitsgemeinschaft war, wie jedes Jahr ein schöner Abschluss der entomologischen Saison. Durch die mitgebrachten Speisen wurde für das leibliche Wohl gesorgt. In netter Atmosphäre wurde sowohl das letzte Jahr Revue passiert als auch die Exkursionsziele des nächsten Jahres besprochen.

Frohe Weihnachten und ein schönes neues Jahr wünscht euch die Arbeitsgemeinschaft.

Bestimmungsabend und Kurzvortrag

Mittwoch 2.12.2015

Fenster in die Vergangenheit – Hotspot-Gebiete xylobionter Urwaldreliktarten in Österreich (Andreas Eckelt)

Die Kenntnis über das Vorkommen von Reliktarten in Waldreservaten unterstreicht den hohen Wert dieser Gebiete  für den Erhalt einer intakten Totholzfauna. Im Rahmen des Vortrags werden einige der wenigen verbliebenen „Urwald“ Standorte in Österreich im Hinblick auf ihre holzbewohnende Käferfauna beleuchtet.

Treffpunkt: ab 17:00 - 22:00 Uhr

Naturwissenschaftliche Sammlungen, Innsbruck, Feldstraße 11a, 3. Stock

Beginn des Vortrags: 17:30 Uhr

 

 

 

 

Die Entomologische Arbeitsgemeinschaft (EAG)

Die Entomologische Arbeitsgemeinschaft der Tiroler Landesmuseen ist eine der aktivsten Gruppierungen von Naturforschern in Tirol. Der Entschluss, in Innsbruck eine lose Vereinigung von an Insekten interessierten Forschern zu gründen, geht auf den Theologen und Naturforscher Michael Hellweger zurück. Im Jahre 1892 kam es zur Gründung des ersten Innsbrucker Entomologenvereins. Aus diesem Verein entwickelte sich im Jahre 1972 die Entomologische Arbeitsgemeinschaft des Tiroler Landesmuseums. Ziel war die Förderung der Insektenkunde im weitesten Sinne, wenngleich Schwerpunkte traditionell auf Schmetterlinge und Käfer gelegt wurden. Unzählige öffentliche Veranstaltungen sollten und sollen ein interessiertes Fachpublikum, vom natur- und insekteninteressierten Laien bis hin zum profunden Experten der unterschiedlichsten Insektengruppe ansprechen.

Ziele & Schwerpunkte

  • Anlaufstelle für alle an Insekten und Natur interessierten Menschen in Tirol
  • Faunistik, Zoogeographie und integrative Taxonomie
  • Erfassung der Insektenwelt Tirols, des Alpenbogens sowie faunengeographisch verwandter Regionen
  • Wissensvermittlung im Rahmen von Exkursionen, Workshops oder Ausstellungen
  • Förderung angehender Taxonomen und Faunisten
  • Mithilfe beim Aufbau einer DNA-Barcode-Datenbank der Insekten Tirols und der Alpen
  • Erweiterung und Ausbau der Sammlungsbestände der Naturwissenschaftlichen Abteilung

Forschung & Projekte

Bei den vielen verschiedenen Projekten, die geleitet durch die Tiroler Landesmuseen in Verbindung mit internationalen wie nationalen Partnern, durchgeführt werden, verschwinden die Grenzen zwischen Entomologischer Arbeitsgemeinschaft und dem wissenschaftlichen Personal. Nur durch die Nutzung der Synergieeffekte zwischen den Akteuren gelingt es, alle Fragestellungen zu meistern. Neben vielen faunistischen, ökologischen sowie naturschutzfachlichen Projekten steht besonders die Taxonomie (Beschreibung von Arten) im Vordergrund. Es wird besonders auf die Anwendung integrativer taxonomischer Ansätze geachtet. Hierbei werden die Ergebnisse verschiedener Methoden aus Morphologie, Morphometrie, Ökologie, Zoogeographie und Genetik gesamtheitlich berücksichtigt, um neue Arten zu erkennen und zu beschreiben.

Die aktuell wichtigsten Projekte im Fachbereich Entomologie befassen sich vor allem mit der Nutzung molekularer Methoden, insbesondere des DNA-Barcodings. Das ist die genetische Analyse eines bestimmten Abschnittes aus dem Erbgut (DNA), der für jede Art spezifisch ist. Die ermittelte DNA-Sequenz (der „Barcode“) fungiert somit als Signatur für die untersuchte Art. DNA-Barcoding spielt in der taxonomischen Arbeit in den Sammlungen eine immer größere Rolle. Mit Hilfe der Hinweise, die durch das Barcoding erlangt wurden und werden, konnten etliche neue Arten sogar aus dem als sehr gut untersucht geltenden Alpenraum beschrieben werden. Wichtige aktuelle Projekte sind hier beispielsweise die bundesweite Initiative ABOL - Austrian Barcode of Life (www.abol.ac.at), die DNA-Barcoding Campaign „Lepidoptera of the Alps“ sowie ein Barcodingprojekt der Schmetterlinge Nord-, Ost- und Südtirols. Aber auch von Käfern liegen bereits erste Befunde vor.

Die Insektensammlungen

Die Insekten stellen mit etwa zwei Millionen Objekten zahlenmäßig den größten Bestand der Naturwissenschaftlichen Sammlungen dar.

Die Schmetterlingssammlung wird derzeit auf mehr als eine Million Belege geschätzt, die sich auf mehr als 8000 Arten verteilen. Die Sammlung alpiner Schmetterlinge ist in diesem Bereich wohl die bedeutendste weltweit. Dies spiegelt sich in dem außerordentlich hohen Prozentsatz (90%) des Primärtypen der im Alpenraum in den letzten 50 Jahren beschriebenen Lepidopteren. Weiters herauszuheben ist die bedeutende Zygaenensammlung, welche Widderchen der gesamten Welt beinhaltet. Einen weiteren wichtigen Eckpfeiler innerhalb der Sammlungsbestände stellen die Käfer (Coleoptera) mit ca. 650.000 Belegen aus etwa 14.000 Arten dar. Es befinden sich darunter viele wertvolle historische Sammlungen aus Tirol wie etwa die von Josef Ratter (1874-1961), Dr. Franz Kofler (1894-1961) oder Hermann Knabl (1880-1940). Neben diesen zwei großen Insektengruppen befinden sich aber auch noch zahlreiche weitere bedeutsame Bestände im Haus. So sind die Wanzen (Heteroptera) durch die Sammlungen von Alois Hernegger (1910-1983) und Dr. Ernst Heiss (1936) mit ca. 120.000 Belegen vertreten. Weitere 80.000 Belege verteilen sich auf die Gruppen Hautflügler (Hymenoptera), Zweiflügler (Diptera), Netzflügler (Neuroptera), Libellen (Odonata) und noch viele weitere Gruppen. Auch bemerkenswerte lokalfaunistische Aufsammlungen wie die Ostiroler Faunistiken von Prof. Dr. Alois Kofler sind in die Bestände integriert und ermöglichen so eine detaillierte Dokumentation der Tiroler Insektenwelt.