Die Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen

 

Im Jahr 1823 wurde das Ferdinandeum als ein Zentrum für die Geschichte, Kunst, Kultur und Natur Tirols gegründet. Bereits damals war die Dokumentation, Erforschung und zur Schaustellung der Tiroler Naturschätze wesentlicher Bestandteil des Museumsbetriebs. Diese Bestrebungen mündeten schließlich in den Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen (NWS), welche seit ihrer Gründung eine wechselvolle und ereignisreiche Geschichte begleitet. Neben größeren Zerstörungen durch die Kriegsereignisse im Jahr 1945 ist die Hochwasserkatastrophe von 1985 als das wohl einschneidendste Ereignis zu nennen. Beinahe die gesamten, zu diesem Zeitpunkt im Zeughaus untergebrachten, Sammlungsbestände wurden dabei zerstört oder stark beschädigt.

Die schwierige Zeit des Wiederaufbaus konnte nur durch die großzügige Unterstützung des Landes Tirol, das außerordentliche Engagement vieler Mitarbeiter bei der Restaurierung, viele großzügige Sachspenden von befreundeten Museen sowie die ideenreiche Leitung des damaligen Kustos Dr. Gerhard Tarmann überwunden werden. Nachdem den Sammlungen neues Leben eingehaucht wurde, folgte die Unterbringung in verschiedenen Notunterkünften bis schließlich im Jahr 1994 der neu errichtete Außenstandort in der Feldstraße bezogen wurde. Die für 2017 geplante Übersiedelung in das neue Sammlungs- und Forschungszentrum (SFZ) der Tiroler Landesmuseen in Hall ermöglicht den Naturwissenschaftlichen Sammlungen eine langfristige und zukunftsweisende Unterbringung auf dem letzten Stand der Technik.

Naturwissenschaftliche Sammlungsdepot in der FeldstrasseNeubau Sammlungs- und Forschungszentrum der Tiroler Landesmuseen

Neben der Sammlungs- und Archivierungsarbeit stellt die aktive Forschung einen wichtigen Arbeitsschwerpunkt der NWS dar. Der Hauptfokus dieser Tätigkeiten liegt dabei auf Tirol und dem Alpenbogen sowie faunen- und florengeographisch verwandten Regionen Europas. Zahlreiche nationale und internationale Kooperationspartner und Auszeichnungen bestätigen die Qualität und Bedeutung der geleisteten wissenschaftlichen Arbeit. Integrativ taxonomische Arbeiten, faunistische und botanische Erhebungen, themenbezogene Forschungsprojekte, naturschutzfachliche Untersuchungen und „Citizen-Science“ Projekte sind nur einige der im Haus durchgeführten Tätigkeiten. Die von den Mitarbeitern geleistete Wissensvermittlung in Form von Ausstellungen, Führungen und Workshops ist ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich. Dieser macht die NWS zu einer vollwertigen wissenschaftlichen Institution, die Laienforschern sowie Studenten beim Erwerben von Fertigkeiten, die auf den Universitäten im Rahmen der aktuellen Curricula nicht mehr ausreichend vermittelt werden können (z.B.: systematische und taxonomische Kenntnisse), zur Seite steht.

 

Wirbellose (Schmetterlinge, Käfer, Wanzen, Schnecken, Muscheln, u.v.m.)

Die Insekten stellen mit über zwei Millionen Objekten zahlenmäßig den größten Bestand der Naturwissenschaftlichen Sammlungen dar. Neben der Schmetterlingssammlung, welche mit etwa einer Million Belegen eine der bedeutendsten ihrer Art in Europa ist, wird Material aus den verschiedensten Insektenordnungen aufbewahrt. Darüber hinaus finden sich auch umfangreiche malakologische Sammlungen im Haus.

Beleganzahlen Entomologische Sammlungen

Botanik & Mykologie (Gefässpflanzen, Moose, Algen, Flechten, Pilze & Pseudofungi)

Das Hauptherbarium zählt mit zu den bedeutendsten Pflanzensammlungen Österreichs. Seit der Gründung des Landesmuseums im Jahr 1823 haben Generationen von Botanikern und Pflanzeninteressierten mit unzähligen Belegen sowie Beobachtungsdaten zum Aufbau der Sammlung und damit zur umfangreichen Dokumentation der Geschichte der heimischen Flora beigetragen.

Beleganzahl Botanik

Erdwissenschaften (Mineralogie & Paläontologie)

Eine Mineraliensammlung, eine „Historische Gesteinssammlung“, die in alten Inventarbüchern erfasst ist und eine in jüngerer Zeit erworbene Fossiliensammlung, die aktuell bearbeitet wird, stellen die Bestände der Erdwissenschaftlichen Sammlung dar. Sie werden nach einer Umstrukturierung zur Gänze neu aufgestellt und digital inventarisiert.       

Beleganzahl Erdwissenschaften

Wirbeltiere (Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien)

Neben Europas größter Sammlung an Raufußhuhn-Losung weist diese Sammlung eine der größten Datenbanken zu Brutvogelnachweisen Westösterreichs sowie eine Vielzahl an historischen und herausragenden neueren Dermoplastiken von Wirbeltieren vor.

Datenbestand Wirbeltiersammlung